3 Jahre Ausbildung …

1.096 Tage
157 Wochen
36 Monate
3 Jahre

Jahr 1 →

Am 1. Oktober 2014 habe ich voller Aufregung und Neugier meine Ausbildung zur Gesundheits- und Krankenpflegerin begonnen.
Das erste Jahr hat mir unwahrscheinlich viel gegeben. Nach einer unschönen Abiturzeit ging es mir viel besser und es hat mir sehr viel Spaß gemacht mit Menschen zu arbeiten, sie während einer Krankheit zu begleiten, sie zu unterstützen und Ihnen alles Gute für die Zukunft zu wünschen.
Ich hatte im 1. Jahr zwei nicht so schöne und zwei umso bessere Einsätze. Auf einer der Stationen konnte ich mir sogar vorstellen zu arbeiten und ich hatte das Gefühl, den richtigen Beruf für mich gefunden zu haben.

Jahr 2 →

Der 1. Oktober 2015. Mein zweites Jahr fing mit einem 4wöchigen Urlaub an. Für mich sehr schöne und wichtige 4 Wochen, da ich kurz vorher Mama einer kleinen Katzendame geworden bin. Ich fühlte mich sehr gut, auch mein anstrengender Einsatz auf der Unfallchirurgie konnte daran nichts ändern. Mein Einsatz danach hat mich dann etwas runter gezogen und der Schulblock direkt in ein tiefes Loch geschubst. Ich fühlte mich ständig müde und unkonzentriert, blieb lieber lange wach und habe im Unterricht geträumt. Habe mich das erste Mal gefragt, ob die Ausbildung wirklich das Richtige ist und war am überlegen aufzuhören. Eigentlich wollte ich nicht einfach aufgeben und da kam es mir gerade Recht, dass ich meinen nächsten Einsatz auf meiner Wunschstation haben sollte. 5 Wochen Kinderintensivstation. Nach den 5 Wochen wusste ich „DAS möchte ich machen“.
Meine Laune und mein Wohlbefinden gingen schlagartig bergauf. Ich habe wieder intensiver mit dem Laufen angefangen, bin regelmäßiger zum Tanzen und habe den Spätdienst nicht gehasst, sondern akzeptiert.

Snapchat-1634552709434174584

Nach einem emotionalem Abschied ging es für mich auf die Notaufnahme, was mir auch unheimlich viel Spaß gemacht hat. Psychiatrie, Kinderintensiv und Notaufnahme. Pflege, aber anders. Nicht die traditionellen Abläufe wie auf der Peripherie, kein „1. Blutdruck messen, 2. Waschen, 3. Essen eingeben .. usw.“. Speziellere Pflege halt. Genau mein Ding. Ich hatte absolut keine Lust mehr auf „normale“ Pflege. Während des letzten Schulblocks im 2. Jahr habe ich mir immer wieder gesagt
„Ein Jahr noch, das schaffst du! Jetzt aufzuhören wäre Schwachsinn!“

 

Jahr 3 →

Am 1. Oktober 2016 bin ich auf meiner neunten Station angekommen. Das Team hat mich über Wasser gehalten. Tag für Tag hatte ich weniger Lust, dann ging es mal wieder bergauf, wieder bergab. Ein gutes Team kann einem so viel Kraft geben, ich war nicht „die Schülerin“, ich fühlte mich wie ein Teil des Teams. Der darauf folgende Einsatz war die Hölle persönlich. Die erste Station, auf der ich mit 95% des Teams gar nicht gut konnte. Ich war so unglücklich, traurig, wütend und verzweifelt. Aber Aufgeben? So kurz vor Ende? Nein!

Januar 2017 ging zum Glück die Schule wieder los und es tat gut wieder einen geregelten Tagesablauf zu haben, trotzdem hat es nur wenig Spaß gemacht und das lag nur an den Personen, mit denen man reden konnte. Die nächsten Einsätze waren ok, immerhin konnte man langsam das Ende der Ausbildung ahnen. Im letzten Schulblock ging es dann erst einmal nach Amsterdam, danach ging das Lernen los und es folgten die schriftlichen Prüfungen. Danach die Examseinsätze und praktischen Prüfungen. 4 von 7 Prüfungen sind geschafft, jetzt fehlen nur noch die mündlichen Prüfungen Ende September. Ich kann nur hoffen, dass die Ausbildung danach für mich vorbei ist, dass ich alle Prüfungen bestanden habe.

IMG_20161010_183709

Aufregung, Anspannung, Vorfreude, Neugier, Wohlfühlen, Ankommen, Freude, gute Laune, Glück, schlechte Laune, Unwohlsein, Gedankenlos, Angst, Hass, Wut, Traurigkeit, Verzweiflung, Anspannung, Aufregung.

– 3 Jahre Ausbildung zur Gesundheits- und Krankenpflegerin –

In den 3 Jahre habe ich mich unwahrscheinlich verändert, bin gewachsen. Ich kann in Notsituationen vollkommen ruhig bleiben, mich aber über manch unwichtige Kleinigkeiten aufregen. Ich hasse den Spätdienst immer noch, bin aber morgens um halb 6 auch noch nicht richtig aufnahmefähig. Ich bin sehr empathisch, könnte bei manchen Patienten/Kollegen aber permanent den Kopf gegen die Wand schlagen. Ich lasse Arbeit Arbeit sein, nehme aber besondere Momente und Erfahrungen gerne mit nach Hause. Eigentlich bräuchte ich Sport als Ausgleich, bin aber meistens einfach nur müde und schlafe. Ich liebe meinen Beruf und hasse ihn gleichzeitig.

Wie es nach den 3 Jahren weitergeht? Genau weiß ich es noch nicht. Vielleicht ist eine Prüfung nicht bestanden und ich muss ein Jahr wiederholen. Ist alles bestanden fange ich auf der Wochenbettstation an. Egal wie es kommt, ob ich mein Leben lang in diesem Beruf arbeiten möchte, weiß ich noch nicht. Eigentlich möchte ich auch gerne studieren, weiß nur noch nicht was. Das werde ich hoffentlich das nächste Jahr über raus finden.

Ein Gedanke zu „3 Jahre Ausbildung …

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.